Lebenslauf
1943 – 2023

 

Mit dem Abschluss der 10. Klasse 1961 begann er eine Malerlehre, die er 1963 abgeschlossen hat.1965 wurde Carlin in den Werkstätten der Staatstheater zunächst als Volontär und zuletzt als Assistent eingestellt. Durch das kreative Arbeitsumfeld in den Werkstätten der Staatstheater begann Carlin mit eigenen künstlerischen Versuchen, die ihn 1965 bis 1967 zum Abendstudium an die Kunsthochschule führten.

1967 wurde Carlin an der Kunsthochschule in Berlin/Weissensee immatrikuliert. Er studierte bei Professor Kilger Bühnen- und Kostümbild. 1972 schloss er das Studium mit dem Diplom ab. Gleichzeitig studierte Carlin an der Humboldt-Universität zu Berlin das Grundfach der Theaterwissenschaften und beendete das Studium mit einem Teilabschluss.

Am 16. September 1943 wird Werner Carlin als 10. Kind der Familie geboren. Seit 1977 ist Carlin verheiratet mit Mignon, ihm wurden zwei Kinder geboren 1979 und 1982, Adrian und Manon.

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Zwischen 1972 und 1976 war Carlin als Bühnenbildner in Magdeburg, Cottbus, Chemnitz, Potsdam und Berlin tätig. Seit 1976 bis 1991 ist Carlin freischaffend als Maler und Grafiker tätig.

Auf Grund seines politischen Engagements in der Bürgerrechtsbewegung wurde Carlin zum Bezirksverordneten in Berlin-Lichtenberg 1991 und 1992 wiedergewählt.

Er ist Mitbegründer des Förderkreises für Kunst, Kultur und Jugend e. V. und wurde 1991 zum Leiter eines Jugendmedienprojektes, das sich zum Jugendfunkhaus
Berlin entwickelte. Ganz seiner Profession entsprechend baute er im Großen Sendesaal eine Bühne mit einer einfachen, zum Lernen und Experimentieren
anspornenden Bühnentechnik.

Nach seinem altersbedingten Ausscheiden aus dem Jugendprojekt wandte sich Carlin wieder dem Theater nahen Geschehen zu, zum Beispiel mit Reflexionen zu berühmten Ballettmusiken.

Im Jahre 2000 wendet sich Carlin seiner unmittelbaren Umgebung zu und beginnt mit dem Malen von Porträts von Menschen, die ihm für seinen Lebensweg von
Bedeutung sind.

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Laudatio am 10. Oktober 2002
von Dr. Christof Tannert

 

Die erste Personalausstellung hatte Werner Carlin meines Wissens vor ziemlich genau 23 Jahren. Er zeigte Tafelbilder, Landschaftsgemälde verhaltener, aber hoch kultivierter Farbgebung und stillem Geschehen. Carlin hatte sich damals entschlossen, seinen Beruf als durchaus erfolgreicher – das sei hier ausdrücklich gesagt – Bühnenbildner an den Nagel zu hängen und forthin ganz der Malerei zu leben. Und so war er dann der Maler Carlin. Der die stillen Farben noch eine Weile an sich trug und auch hindurch trug durch das damalige Sowjet-Land Kasachstan; eine Malerreise durch die endlose Steppe, von der er vieles mitbrachte, den Blick für Weite und Licht vor allem. Ich besitze aus jener Zeit ein Bild, das ich liebe. Ein Milieubild aus einer Berlin-Karlshorster Kneipe. Ein Bild, das auch Max Slevogt gefiele.

Dann aber wurde der Maler Carlin laut, expressiv, sinnlich und perfektionistisch. Letzteres war sein Hang schon immer, und unter anderem deshalb entdeckte er die Kaltnadel-Radierung (und Aquatinta) für sich, die ihm Lust machte wegen ihrer klaren Formen und weil sie ihn zur Disziplin zu zwingen versprach. Und das Porträt, weil er dafür Charaktere analysieren und Deutungen von Charakteren mit Hilfe von Farben versuchen mußte. Aber es kamen dem Virtuosen Carlin mit seinen kultivierten Farben und dem Perfektionisten Carlin mit seiner Leidenschaft für die klare Gestalt Zweifel. Zweifel ob -und wenn ja, wieviel- er denn berufen sei. Also fing er, nun nicht mehr ganz jung, an, sich Lehrer zu suchen, ob das seine gelungenste Periode als Maler war, mag ich nicht beurteilen. Ich habe ihn dann ein bisschen aus den Augen verloren, den Maler Carlin. Er war wohl eine zeitlang auch mehr Landschaftsgärtner, Baumeister und Bauer in den Endmoränen um Seelow. Nach dem 89er Umsturz wohl auch Politiker, Lehrer, Projektmanager. Jetzt aber malt er wieder … der Maler Carlin. Und macht dort weiter, wo er unterbrochen hatte, und doch auch nicht. Wieder malt er Bäume, Sträucher, weite Landschaften und Frauen, Mädchen und Jünglinge. Letztere sind nicht ganz neu in seinem Oeuvre, aber ziemlich neu doch, vor allem die sinnlich-erotischen Mädchenakte, die Lovis Corinth mögen würde, und denen man das ansieht, dass man sie begehren soll, und ganz offensichtlich soll man ihm, dem Maler und Mann weit jenseits der Jugend, die Fleischeslust glauben. Corinth, wie gesagt, wäre einverstanden.

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Vermutlich einverstanden wäre er auch mit der Sensibilität des Carlin beim Spielen mit – nunmehr oft kräftigenFarben, unter denen heute das Gelb manchmal dominiert, so daß man meinen möchte, es sollte für den Carlin lohnen, Acrylfarben auszuprobieren, sich dann aber doch – wie früher schon – wünscht, er möge die feinen Valeurs nicht ganz und gar vergessen. Aber das kann er glücklicherweise wohl gar nicht.

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Modell

 

„Das gewöhnliche Wunder“ von Jewgeni Schwarz, Regie: Mirjana Erzeg, Bühnenbild und Kostüme: Werner Carlin.

Das Arbeitsmodell aus demJahre 1974.

Viele Bühnenbildner arbeiten mit einem Demonstrationsmodell zur Ansicht für die Regie, die Werkstätten und zur Kalkulation der Herstellung der Bühnenbauten.

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Es schien, das Theater ist mein Zuhause. Der Abschied vom Theater war zweischneidig. Es mangelte nicht nur an attraktiven Angeboten. Nein, das Ende kam vom Zentralen Bühnennachweis, einer untergeordneten Einrichtung des Kulturministeriums. Der Abbruch eines 2jährigen Förderstipendiums ging mit unannehmbaren Bedingungen einher. Danach schien alles verbaut, und ich war wohl zu anspruchsvoll. Dennoch, das Theater ist ein wundervoller, kreativer, schöpferischer Raum, in dem alle künstlerischen Formen und handwerkliche Ausführungen zusammen kommen. Seine Anziehungskraft rührt vom Ernst des Engagements, das bis zur Leistungsgrenze reicht. Ein Ort der Vielfalt von Individuen, der Träume und Künste.

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Werner Carlin – Maler, Kostüm- & Bühnenbildner und Jugendförderer

 

Von Angela Reute Nov. 2002

Zwei Leidenschaften hat Werner Carlin; er malt für sein Leben gern, und er lebt für seinen Verein, den „Förderkreis Kunst, Kultur und Jugend“ in der Sewanstraße 120. Das erste Hobby brachte ihn unter anderem zur HOWOGE in die Ausstellung „Einblicke“. Das Wohnungsunternehmen stellte jüngst in der Pyramide seine Foyerwände Lichtenberger Künstlern zur Verfügung. Werner Carlin glänzte mit drei Bildern und einem Bühnenbild-Modell. Sein rotes Tanzbild hängt jetzt für immer bei der HOWOGE.

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Dem studierten Bühnen- und Kostümbildner wurde künstlerische Begabung schon in die Wiege gelegt. So handelte beispielsweise sein Großvater als Königlicher Hoflieferant mit Stoffen. Ein anderer Hugenotten-Vorfahr zimmerte als Möbeltischler unter anderen zwei Kommoden, die noch heute im Pariser Louvre zu bestaunen sind.Werner Carlin verschlug es nach dem Studium an der Kunsthochschule Weißensee nach Karlshorst. Hier baute er ein Dachgeschoss zur Atelierwohnung aus, in der er seit 1973 mit seiner Familie lebt. Seine Frau Mignon, Fachärztin, hat für seine „Besessenheit“ größtes Verständnis. Die beiden Kinder Adrian und Manon gehen schon eigene Wege.

Der 60-Jährige kam über seine langjährige Arbeit im Jugendhilfeausschuss auf die Idee, Jugendlichen den Umgang mit Computertechnik nahe zu bringen. Gedacht, getan. Nun ist sein zweites „Laster“ sein Lebensmittelpunkt: der Verein, dem er seit 1995 als ehrenamtlicher Geschäftsführer vorsteht. Gemeinsam mit Filmwirtschaftler Uwe Kraft und anderen Mitstreitern hat er das MEGA Jugendmedienzentrum 1995 aus der Taufe gehoben. Seither ist er fast täglich in der ehemaligen Kita anzutreffen – ohne ihn läuft hier gar nichts, sagen sowohl die jungen Leute als auch seine Kollegen.

In dem Jugendmedienzentrum lernen Schüler und Jugendliche im Alter von 11 bis 23 Jahren, wie man Video dreht und schneidet, wie man Radio macht und wie man eine Zeitung herstellt. Schüler des benachbarten Georg-Forster-Gymnasiums produzieren hier beispielsweise beinahe monatlich ihre Schülerzeitung. Die Jugendfreizeiteinrichtung mit den Grafik- und PC-Arbeitsplätzen ist beliebt, so an die 40 Schüler kommen täglich. Und sie hat sich mit ihrem Herzstück – das eigenproduzierte und von Schülern moderierte Internetradio „G3-DasRadio“ – über Bezirksgrenzen hinaus einen Namen gemacht. Rund um die Uhr gehen selbst produzierte Musik oder solche aus dem sehr gut bestückten Musikarchiv sowie lockere Texte in den Internet-Äther. Die Thematik ist vielfältig, reicht von Kochrezepten über Schulhofgeschichten bis zu aktuellen Themen. Viel beachtete Projekte waren „Was ist Liebe?“ und „Lebenswege“ sowie die “Fête de la Musique“ im Juni in der Parkaue.

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In der Zeichnung drücke ich mich mal spontan aber dann auch sehr diszipliniert und konzentriert aus.


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Für den Bühnenbildner sind Interpretationen oder Reflexionen zur Musik ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Gestaltung. Hier hat mich besonders die Ballettmusik zu UNDINE von Hans-Werner Henze inspiriert. Strawinskys Kompositionen zu Balletten befeuern meine Fantasie immer aufs Neue. Dabei fühle ich mich dem Theater an sich sehr nahe.



Carlin Zeichnet

 

Das kostbare Tuschgerät, die kostbare Tusche.
Eilig und ruhig, bewahrend und verändernd folgt
Der Tuschestrom der Skizze aus Blei.
Kratzende Stille! Unterbrochen gelegentlich
Vom Lachen des Zeichners krächzend, anläßlich
Einer gelungenen Stelle, eines vielsagenden
Strichs. Mit kräftigen Schnitten trennt er
Das kleine Blatt aus dem großen heraus; viel Weiß
Erwartet den Zeichner noch.

Richard Leising im Dezember 1972